24-Stunden-Betreuung in der Pflege – wie geht das??

Abhängig  vom Grad der Pflegebedürftigkeit eines alten Menschen müssen verschiedene Optionen unterschieden werden. 

Eine verhältnismäßig einfache, wenngleich natürlich oft auch schon belastende Situation liegt vor, wenn eine 24-Stunden-Betreuung oder nächtliche Bereitschaft noch nicht erforderlich sind. In einem solchen Falle einer Pflegebedürftigkeit, die sich nicht über einen 24-Stunden-Tag erstreckt, da gewisse Formen der Selbstversorgung durch den zu Pflegenden noch möglich sind, gleichzeitig aber eine unterstützende Pflege durch Dritte hinzukommen muss, wird gerne auf die Betreuungsform der Tagespflege vertraut.

Die Tagespflege wird z.T. teilstationär umgesetzt, z.B. in für die Altenpflege zugelassenen Einrichtungen. Die Dienstleistungen (Versorgung, Betreuung) werden fallweise, also an einzelnen Wochentagen oder auch am Wochenende in Anspruch genommen. Die Tagespflege tritt somit ergänzend hinzu, da generell die pflegerischen Tätigkeiten zuhause zumindest nachts, abends, morgens und gegebenenfalls selbst am Wochenende durch Familienmitglieder übernommen werden.

Den klassische Fall finden wir bei einer Unterstützung durch Tagespflege. Diese nutzen bevorzugt Angehörige von Pflegebedürftigen, die eine häusliche Altenpflege außerhalb der eigenen Arbeitszeiten weitgehend übernehmen können, für die Kernarbeitszeiten aber auf Unterstützung angewiesen sind. Die Öffnungszeiten der Tagespflege-Einrichtungen liegen üblicherweise zwischen 8.00 und 17.00 Uhr.

Anders sieht es aus, wenn Angehörige mit einer Krankheit im Spätstadium konfrontiert werden, die unumgänglich macht, dass rund um die Uhr eine pflegerische Versorgung stattfindet. Gerade im Kontext schwerwiegender medizinischer Diagnosen wie etwa fortgeschrittener Demenz stellt sich die Frage nach der richtigen Pflegealternative in aller Schärfe.

Wie aber kann und soll eine 24-Stunden-Betreuung und Pflege überhaupt realisiert werden? Wer soll sie denn ausführen? Wer soll das bezahlen?

In 70% der Fälle übernehmen nach wie vor Familienmitglieder die Pflege von Angehörigen zunächst selbst, doch ist eine menschliche Problematik aus heutiger Sicht oftmals unumgänglich, die auf die Familienmitglieder selbst zurückfällt. Insbesondere bei Pflegebedürftigen auf höheren Pflegestufen stoßen die betreuenden Familien nämlich schnell an die Grenzen ihrer physischen und mentalen Belastbarkeit. Man darf nicht vergessen, dass es in der Regel nicht ausgebildete Laien sind, die vieles überhaupt erst lernen müssen, obwohl der Pflegeprozess vom ersten Moment an stattfindet.

Aber geht das denn überhaupt? Blickt man auf ausgebildete Pflegekräfte, also Profis, mögen Zweifel angebracht sein.

In der professionellen Pflegeausbildung in Deutschland sind die Standards in der Qualifikation zumindest auf dem Papier sehr anspruchsvoll. Dies beginnt schon bei der Kurzzeitausbildung zum Krankenpflegehelfer. Auch der Besuch einer Berufsschule oder das Studium der Pflegewissenschaften an einer Universität gehören in diesen Bereich. Hierbei wird im deutschen dualen Bildungsbetrieb auf die Verknüpfung von Theorie und Praxis gesetzt, weshalb etwa in Krankenhäusern, ambulanten Pflegediensten oder Pflegeheimen das Gelernte unter Aufsicht zur Anwendung gebracht wird.

Selbst nach einer aufopferungsvollen Einarbeitungszeit wird es nur schwerlich möglich sein, die Kompetenz professioneller Pflegekräfte zu ersetzen.

Nicht verwunderlich ist deshalb die unaufhaltsame Entwicklung in der privaten Pflege hin zu einer Einbindung von finanzierbaren Pflegekräften, die in der 24-Stunden-Betreuung zumindest assistieren oder diese sogar komplett übernehmen. Dabei machen v.a. slowakische und polnische Pflegekräfte von sich reden, die offensichtlich einen guten Ruf bei den Familien genießen. Schattenseite bei diesem Modell sind oft die Vermittler und Strukturen hinter diesen entsendeten EU-Bürgern. Die Klage über Schwarzarbeit und schwarze Schafe in der Branche wird auch von Unternehmen geteilt, die selbst das Geschäftsmodell umsetzen.

Im Vergleich zu Pflegeheimen kann aber der Weg über diese privaten Agenturen, Seriosität des Anbieters vorausgesetzt, deutlich günstiger ausfallen. Die Kosten variieren dabei v.a. entlang der Kriterien Ausbildung und Sprachkompetenz. Dies spielt gerade bei härteren Fällen wie beispielsweise bei der Betreuung von Demenzkranken eine Rolle. Der Erfolg der Pflege wird immens durch ein Vertrauensverhältnis zwischen Pflegepersonal und Pflegebedürftigem beeinflusst. Und das ist dort der Fall, wo man die gleiche Sprache spricht.

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