24 Stunden Pflege – Zahlen und Fakten

Wenn im Pflegefall eine Betreuung um rund um die Uhr unvermeidbar wird, bleiben dem Betroffenen und seinen Angehörigen theoretisch zwei Optionen: Die Unterbringung in einer Pflegeeinrichtung oder die Versorgung in der eigenen Wohnung. Letzteres ist den Pflegebedürftigen in der Regel bedeutend lieber, sodass nach wie vor etwa 70 % der Pflegefälle in Deutschland im eigenen Zuhause versorgt werden. Ende des Jahres 2001 belief sich diese Zahl nach Angaben des statistischen Bundesamts auf etwa 1,76 Millionen Menschen, von denen wiederum 1,18 Millionen ausschließlich von Familienmitgliedern versorgt wurden. Lediglich 576.000 der Pflegebedürftigen wurden zu diesem Zeitpunkt mit der zusätzlichen Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst versorgt.

Doch die physische und psychische Belastung, die die 24-Stunden-Versorgung eines Pflegebedürftigen mit sich bringt, ist nicht zu unterschätzen und bringt viele Angehörige trotz bester Absichten an ihre Grenzen. Schließlich fällt besonders in Fällen schwersten Pflegebedarfs dann häufig doch die Entscheidung für eine Unterbringung im Pflegeheim. Dieser Anteil von 30 % an der Gesamtzahl der Pflegebedürftigen zum Jahresende 2011 belief sich auf etwa 743.000 Menschen – 3,6 % mehr als noch 2009, Tendenz weiter steigend. Die ambulanten Pflegedienste verzeichneten ein Plus von 3,8 % bezüglich der Pflegefälle, bei denen sie zur Unterstützung in der Wohnung der Betroffenen zum Einsatz kommen. Lediglich die Entwicklung der Versorgung durch Angehörige ist statistisch kaum korrekt zu erfassen. Dennoch kann auch hier von einem Anstieg ausgegangen werden: Ein Bericht der Bertelsmann-Stiftung etwa besagt, dass wir bis zum Jahr 2030 um einen Anstieg um beinahe die Hälfte der jetzigen Anzahl an Pflegebedürftigen rechnen müssen.

 

Ein Kriterium, welches die Entscheidung für eine Art der 24-Stunden-Pflege maßgeblich beeinflusst, ist die Finanzierung. Ambulante Pflegedienste bieten häufig keine Rund-um-die-Uhr-Betreuung an, werden aber beispielsweise für die medizinische Pflege benötigt und bilden somit schon einen ersten Kostenpunkt bei der Pflege zu Hause. Wird zusätzlich noch eine Pflegekraft gebraucht, wenden sich viele Betroffene an entsprechende Dienstleister. Diese Vermittlungsagenturen für Pflegekräfte sollen bei der Suche nach der passenden Pflegeperson helfen. Die Kosten liegen laut Stiftung Warentest etwa zwischen 1.200 und 2.500 Euro monatlich plus freie Kost und Unterbringung bei Pflegekräften aus den osteuropäischen Nachbarländern, bei in Deutschland angestelltem Personal zwischen 2.700 und 3.200 Euro. Ist eine 24-Stunden-Betreuung nötig, sollte man eher vom preislich oberen Ende der Kostenspanne ausgehen; je nach Pflegeaufwand gegebenenfalls sogar von noch mehr. Deswegen verwundert es nicht, dass inzwischen vermutlich bereits in 100.000 deutschen Haushalten Pflegepersonal aus Polen oder einem osteuropäischen Nachbarland tätig sind. Weiterer Bedarf soll in etwa 145.000 Fällen bestehen, und eine Entspannung des Fachkräftemangels scheint nicht in Sicht.

 

Ein Pflegereport der Barmer GEK aus dem Jahr 2012 besagt, dass in 10 % aller Fälle die Pflegebedürftigkeit den Betroffenen von deren Eintreten bis zu seinem Tod knapp 100.000 Euro kostet. In manchen Pflegefällen lägen die Kosten sogar über 300.000 Euro, in vielen Fällen aber auch deutlich niedriger, sodass ein Durchschnitt von 37.000 Euro errechnet wurde. Dabei ist zu beachten, dass die gesetzliche Pflegeversicherung nur für knapp die Hälfte dieser Summen aufkommt. Entsprechende Zusatzversicherungen sind also jedem angeraten, der diese Versorgungslücken im Ernstfall geschlossen haben will.

 

Quellen:

 

http://www.n-tv.de/ticker/Gesundheit/Pflege-zu-Haus-24-Stunden-Job-an-der-Grenze-der-Belastbarkeit-article9973221.html

http://www.test.de/Pflege-zu-Hause-Vermittlungsagenturen-im-Test-1772650-2772650/

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