Ausländische Pflegekräfte und die Attraktivität des Pflegeberufs in Deutschland

In der deutschen Pflege fehlen zehntausende Pflegekräfte. Im Rahmen der neuen Pflegereform möchte sich auch die neue Bundesregierung des Themas annehmen. Schon 2012 wurde mit den Bundesländern vereinbart, die Ausbildungszahlen in der Altenpflege um 30 Prozent zu steigern.

Ein hehres Unterfangen wie auch die Absichtserklärung, die Ausbildung des Pflegeberufs durch ein sogenanntes Pflegeberufegesetz attraktiver zu gestalten. In diesem Zusammenhang soll das Schulgeld komplett abgeschafft werden und die Motivation, auch nach zehn Jahren noch den Knochenjob Pfleger auszuüben, durch Umgestaltung der Arbeitsverhältnisse nachdrücklich unterstützt werden.

Eine Nivellierung der regional sehr unterschiedlichen Bezahlung von Pflegekräften wird dabei wohl nicht einfach zu realisieren sein. Auch die niedrigen Grundlöhne können nicht ohne weiteres nach oben geschraubt werden. Weitere Probleme sind die unfreiwillige Teilzeitarbeit von Pflegern einerseits aber auch extrem fordernde Wochenenddienste und Nachtschichten. In diesem Kontext plant Gesundheitsminister Gröhe die Aufstockung der Betreuungskräfte von 20.000 auf 45.000, um die Fachpflegekräfte für ihre eigentlichen Aufgaben zu entlasten.

Dass das alles ohne ausländische Pflegekräfte nicht zu realisieren sein wird, trotz Pflegereform und vollmundiger Ankündigungen, scheint dennoch unumstößlich klar. Die Schere zwischen Bedarf und Angebot an einheimischen Pflegefachkräften und Pflegehilfen ist so gewaltig, dass an eine nationale Lösung des Problems in absehbarer Zeit nicht gedacht werden kann. Diese Thematik fehlt in Gröhes Interview nahezu komplett. Eine angemessene Würdigung bzw. auch Einbeziehung der so wichtigen Helfer aus Polen, Tschechien, Kroatien, aus China oder von den Philippinen findet nicht statt. Von gesetzgeberischen Maßnahmen ganz zu schweigen.

 

QUELLE: http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/groehe-ueber-pflegereform-der-wichtigste-pflegedienst-ist-die-familie-12881440-p3.html?printPagedArticle=true#pageIndex_3

Demenz und Pflegereform

“Unser Bild vom Menschen ist davon berührt. Es ist davon geprägt, dass der Mensch immer neue Grenzen überschritten hat. Nun erleben wir die Vergänglichkeit, das Nachlassen von Kräften des Geistes und des Körpers im hohen Alter. Für eine Gesellschaft, die daran glaubt, man könne kraftstrotzend alle Herausforderungen meistern, ist das irritierend.”

So hat der Gesundheitsminister den neuen Blick auf den dementen alten Menschen treffend charakterisiert.

Das Problem der Demenz hat die deutsche Gesellschaft in den letzten Jahren zusehends beschäftigt. Nicht zuletzt wurde dabei mit der öffentlichen Diskussion der bislang eher vernachlässigten Krankheit ein ganz neues strukturelles Problem der Altenpflege “entdeckt”. Dies ist nicht übertrieben, war das allgemeine Bewusstsein lange Zeit davon geprägt, dass Vergesslichkeit ja irgendwie zum Alter dazugehört. Tatsächlich war die Krankheit in der bisherigen Gesetzgebung nicht berücksichtigt worden. Erst mit der Pflegereform 2012 hat sich das geändert.

Das betrifft Pflegebedürftige, denen durch Gutachter eine “eingeschränkte Alltagskompetenz” attestiert wurde. Diese erhalten seit 1.1.2013 Pflegegeld oder monatliche Sachleistungen, auch ohne dass sie eine in eine Pflegestufe I eingeordnet worden sind. Die Leistungen werden nicht an die Versicherten direkt ausgezahlt, sondern analog zu den Sachleistungen über anerkannte Pflegeeinrichtungen direkt mit der Pflegekasse abgerechnet.

Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, dass Familien mit Demenzkranken besser zurechtkommen können als früher. Wie Gesundheitsminister gegenüber der FAZ erklärte, müssten sich “Krankenhäuser, Arztpraxen oder auch Bürgerämter” künftig “besser auf altersverwirrte Menschen einstellen. Da fehlt es an geübter Praxis und an der Qualifizierung des Personals.”

QUELLEN:

http://www.pflegestufe.info/pflege/demenz.html

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Warten auf die Pflegereform

Bundesgesundheitsminister Gröhe hat in einem Interview mit der FAZ deutlich gemacht, dass die Pflegereform und die daraus resultierenden verbesserten Leistungen nicht auf die lange Bank geschoben werden sollen. Deshalb sollen bereits Anfang 2015 erste substantielle Verbesserungen in Kraft treten.

Dazu sollen jährlich 2,4 Mrd. Euro bereitgestellt werden, die zum Ausbau der Familienhilfen und der Verbesserung des Betreuungsschlüssels in Pflegeeinrichtungen verwendet werden. Weitere 2,4 Mrd. Euro sollen später in die Ausgestaltung des neu definierten Pflegebegriffs gehen. U.a. werden dann die psychischen und geistigen Beeinträchtigungen eines Pflegebedürftigen ebenso in die Beurteilung mit einbezogen wie die körperlichen Defizite.

Die Gegenfinanzierung dieses Betrages soll über eine Anhebung des Beitragssatzes in der gesetzlichen Pflegeversicherung in zwei Schritten um insgesamt 0,5% erfolgen. Diese Erhöhung soll paritätisch von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite getragen werden. Die Reform soll 2016 in Gesetzesform gegossen sein und bis 2017 umgesetzt werden. Ein Drittel der ersten Beitragsanpassung werden einem Vorsorgefonds zugeführt, um den Eintritt der Babyboomer, also der in den fünfziger und frühen sechziger Jahren Geborenen ins Pflegealter ab 2030 abzufedern.

Was wird sich denn nach dem neuen Modell ändern? Folgt man Gröhe, so hat man bisher ein relativ starres und zum Teil auch ungerecht wirkendes Drei-Stufen-Modell gehabt, in Zukunft soll es fünf aussagekräftigere Pflegegrade geben. Beim alten Stufen-Modell sei man vom Zeitaufwand für die Pflege ausgegangen, der durch körperliche Beeinträchtigungen notwendig ist. Bei den neuen Graden sollten nunmehr psychische Beeinträchtigungen gleichermaßen erfasst werden.

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Interview mit Bundesgesundheitsminister Gröhe in der FAZ über Pflegereform und den neuen Pflegebegriff

Bundesgesundheitsminister Gröhe (CDU) hat im Kontext der nunmehr bevorstehenden Reform des Pflegerechts eine neue Bestimmung des Pflegebegriffs und dessen Umsetzung bis 2017 angekündigt. Nach wie vor sei die Familie der Pflegedienst Nummer eins. Deshalb wolle er die Unterstützung für pflegende Angehörige deutlich erweitern.

Nicht immer sei die Pflege durch Angehörige realistisch, so Gröhe, wie ja auch die Zahlen der letzten Jahre beweisen. In der Frage der fachlichen und persönlichen Qualitäten ambulanter Pflegekräfte sieht Gröhe keine nationalen Einschränkungen. Ein Veränderung des Pflegebegriffs würde u.a. bedeuten, eine Bestandsaufnahme der individuellen Pflegebedürftigkeit zu gewährleisten und nicht, wie in der Vergangenheit, den Schwerpunkt auf die körperlichen Einschränkungen eines Menschen zu legen.

Damit kommen auch die geistigen und psychischen Beeinträchtigungen von Pflegebedürftigen nachhaltig in die Diskussion. Hintergrund dieser Neuausrichtung dürfte mit Sicherheit der dramatische Anstieg der Demenzerkrankungen sein, der in einen ersten gesetzgeberischen Schritt zu erstmaligen. wenngleich bescheidenen Leistungen für diese Gruppe im Rahmen der Pflegeversicherung 2013 mündete.

Ferner betonte der Minister, es gehe auch darum, im gesamten Pflegeprozess nicht nur die Einschränkungen ins Auge zu fassen, sondern auch die Möglichkeiten persönlicher Autonomie herauszufinden, die dem Pflegebedürftigen noch verbleiben.

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Kostenfaktor Pflegekräfte

Höherer Verdienst für Pflegekräfte muss refinanziert werden. Dies betrifft die Zahlungen zur Pflegeversicherung und die zusätzlichen privaten Mittel der Kunden. Eine Erhöhung des Beitrags zur Pflegeversicherung ist somit unvermeidlich. Eine Aufstockung des Beitrags um 0,5% scheint wahrscheinlich. Die Erhöhung der Pflegebeiträge um 0,5 Prozentpunkte hat die große Koalition jedenfalls bereits vereinbart.

Die Pflegeversicherung übernimmt aber immer nur, auch in Zukunft, einen Teilbetrag. Eigenanteile in der stationären Pflege liegen zwischen 1000 und 2000 Euro – monatlich! Dies sind erhebliche Zusatzkosten für jeden betroffenen Haushalt.

Das Potential pflegender Angehöriger nimmt nach Aussagen von AOK-Chef Jürgen Graalmann (Quelle: http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.az-serie-zur-pflege-die-pflege-braucht-hilfe.fb54cfcc-2cd9-43f1-b727-4ef0e7b9d60b.html) aber ständig ab, v.a. aufgrund der wachsenden Zahl an Singlehaushalten und berufstätiger Frauen.

Dies verschärft die Situation auf dem Arbeitsmarkt für Pflegefachkräfte und Pflegehilfskräfte. Ohne die Öffnung für ausländisches Personal wäre die Katastrophe vorprogrammiert.

Eine massive Änderung der beruflichen Situation einheimischer Pflegekräfte scheint unabdingbar.
Ob dafür in der Pflegereform bereits ein großer Wurf gelingen kann, darf mit Blick auf die unterschiedlichen Unternehmensformen in der Pflege und die damit verbundene Tarifautonomie bezweifelt werden.

Quelle: http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.az-serie-zur-pflege-die-pflege-braucht-hilfe.fb54cfcc-2cd9-43f1-b727-4ef0e7b9d60b.html

Pflegereform Quo Vadis

Wie Bundesgesundheitsminister Gröhe angekündigt hat, soll es für Demenzkranke in der Altenpflege mehr Geld aus den Töpfen der Pflegeversicherung geben. Die Voraussetzung dafür wird sein, dass die Grundlage dessen, was unter Pflege verstanden wird, neu überdacht und definiert wird.

So ist u.a. die Rede davon, dass die bisherige dreistufige Klassifikation (Pflegestufe 1-3) durch eine 5-stufige Skala ersetzt werden soll. Die bisherige Einstufung war ohnehin schon durch erste Zahlungsregelungen für Demenzkranke und die Einführung der Pflegestufe 0 erweitert worden.

Konzeptionell wird eine Änderung des Pflegebegriffs v.a. auf eine Schwerpunktverlagerung in der Definition der Pflegebedürftigkeit hinauslaufen. Dies bedeutet wohl, von einer Betrachtung und Beurteilung rein körperlicher Beeinträchtigung zu einer individuellen Pflegebedarfsermittlung zu kommen. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU)möchte dies aber erst getestet wissen. Bundesweit soll das neue Einstufungsverfahren an 2000 Betroffenen in Heimen ausprobiert werden. Bei weiteren 2000 Pflegebedürftigen wird die aktuelle Mittelzuweisung beobachtet. Die Kassen fordern zusätzliche Testläufe für die zuhause Gepflegten.

Mit der vollständigen Umstellung ist voraussichtlich jedoch nicht vor 2017 zu rechnen.

Angehörigen, Betroffenen und Pfleger sollen allerdings in einem ersten Reformschritt bereits 2015 mit erheblichen Verbesserungen rechnen können. U.a. soll es mehr Betreuung und Leistungen für pflegende Angehörige geben.

Eine Verbesserung soll darin bestehen, dass sie künftig bis zu zehn Tage pro Jahr bezahlte Pflegezeit beanspruchen können.

Osteuropäische statt deutsche Pflegekräfte: Pflegenotstand bleibt auch nach Pflegereform

Politiker, Experten und Betroffene klagen seit langem über den Pflege-Notstand in Deutschland.

Eine der wichtigen Fragen bleibt: wer leistet die Arbeit, wenn es um die Pflege geht: Pflegedienste, Angehörige oder Fachkräfte aus dem europäischen EU-Ausland?Die Zahlen beweisen, dass es ohne den Zustrom bsp. polnischen Pflegepersonals nicht gehen wird – und zwar auf lange Sicht. Die Pflegereform 2014 soll es richten.

Was können wir von der angekündigten Reform erwarten?

Alles wird auf dem Prüfstand stehen. Allerdings wird man sehen müssen, ob es innerhalb der Großen Koalition zu einer vernünftigen Einigung kommen kann. Aktuell fehlen etwa 130 000 professionelle Pflegekräfte, ambulante Dienste und Heime zusammengerechnet. Deutschland gilt damit als Entwicklungsland der Pflege. Unterstützt wird Deutschland durch Fachkräfte aus Polen, Tschechien, Kroatien, China, demnächst auch Bulgarien und Rumänien.

Deutsche Pflegekräfte bleiben auch nicht lange im Beruf. Die finanzielle Attraktivität wie auch die gesellschaftliche Anerkennung des Pflegeberufs ist etwa im skandinavischen Ausland deutlich höher. Konsequenzen des Personalmangels: die Zeitabläufe in stationären Einrichtungen sind auf die Minute abgesteckt, für Zuwendung im eigentlichen Sinn bleibt keine Zeit. Und Angehörige, v.a. pflegende Angehörige mit eigenem Beruf stehen in der privaten Pflege zuhause erheblich unter Druck. Die AOK Bayern bietet jetzt extra Unterstützung für psychisch belastete pflegende Angehörige an. Nach großer Reform hört sich das noch nicht an.

Pflegebegriff: die Zukunft der Pflege nach dem Pflegetag

Die Frage nach einer zukunftsweisenden Ausrichtung der Pflege in Deutschland ist b.a.w. eine der zentralen gesellschaftlichenHerausforderungen. Die Zahlen zur Entwicklung des Bedarfs an Pflegekräften und der verfügbaren einheimischen Fach- und Hilfskräfte sind nichts weniger als Besorgnis erregend bis dramatisch.

Im Januar (wir berichteten darüber) befasste sich der Deutsche Pflegetag in Berlin damit.

Er behandelte viele Fragen, von Pflegebegriff über Grenzen der Pflegeversicherungsleistungen bis hin zur Attraktivität des Pflegeberufs. Die Fachleute befürchten das Schlimmste, so wie Andreas Westerfellhaus, Chef des Deutschen Pflegerates, der auf dem Pflegetag davon sprach, dass man dringend und sofort einen nationalen Aktionsplan für die Pflegenden selbst benötige, da das Personal und die pflegenden Angehörigen vor dem Kollaps stünden.

Herausragendes Problem ist der eklatante Mangel an Menschen, die pflegen, egal ob zuhause, in kommunalen Einrichtungen oder privat geleiteten Pflegeheimen.

Darüber hinaus fehlen Gelder – zur Bezahlung der Pflege und für eine angemessene Honorierung der Pflegenden. Der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst in Pflegeberufen liegt bei 2412 Euro und somit ist “Altenpflege ist ein schlecht bezahlter Knochenjob” (AZ, 24.1.2014)

Die nach durchschnittlich 8,4 Jahren aufgegebenen Stellen können oft nicht neu besetzt werden.  2014 fehlen ca. 130000 professionelle Pflegekräfte, bis 2030 werden es ca. eine halbe Million sein. Die Zahl der Pflegebedürftigen wird 2030 von 2,5 Millionen Pflegebedürftige heute auf 3,4 Millionen ansteigen.

Leistungen der Pflegeversicherung im Vergleich

Noch sind die Leistungen der jungen Pflegeversicherung im Vergleich zu den Zahlungen der etablierten Krankenversicherung kaum der Rede wert. Nur 0,78 Mrd. Euro betrugen 2012 die Leistungen , die durch die Pflegekassen abgedeckt wurden. Im Vergleich dazu schlugen die Ausgaben der Krankenkassen mit 22,51 Mrd. Euro zu Buche.

Diese Zahlen sind über die letzten drei Jahre stabil geblieben. 2010 waren es noch 21,22 und 0,7 Mrd. Euro, 2011 dann 22,05 und 0,72 Mrd. Euro. Solange keine neuen Finanzierungsquellen für die Pflege im Alter gefunden werden, ist auch nicht damit zu rechnen, dass sich an den absoluten Zahlen in der Pflegeversicherung sehr viel ändert.

Es stellt sich natürlich die Frage, wie das mit einem mittelfristig unverändert großen Mangel an Pflegekräften einerseits und einem aufgrund der demographischen Entwicklung absehbar zunehmenden Bedarf an pflegerischen Dienstleistungen für alte Menschen kompatibel sein soll.

Natürlich wird ein Weg sein, die privaten Zusatzversicherungen in den Mittelpunkt der Betrachtung rücken. Auch kann eine politische Kampagne zur Aufwertung der Pflegeberufe in naher Zukunft erwartet werden.

Dass man damit allerdings dem strukturellen Problem der Alterspflege begegnen kann, erscheint ausgeschlossen.

Es wird vermutlich doch so kommen zu müssen, dass ein Maßnahmenbündel mit einschneidenden politischen und gesellschaftlichen Konsequenzen die Attraktivität de Pflegeberufs, die Finanzierbarkeit der Pflege und die oft beschworene Gerechtigkeit bei der Belastung der Generationen neu in die Balance bringen muss. Wie das aussehen wird? Man darf gespannt sein.

 Versicherungsleistungen bis 2012

Die fehlende Attraktivität des Pflegeberufs in Deutschland

Dass der Bedarf an Pflegekräften in Deutschland unverändert groß ist, haben wir in unserem Blog schon mehrfach untermauert. 

Aber warum ist dem so? Und wie kann diese Schere zwischen den aufgrund der Entwicklung der Altersverteilung auch immer stärker benötigten Dienstleistungen und dem langfristig zu schwachen Angebot an Arbeitskräften geschlossen werden? 

In allen Bundesländern, v.a. auch den Ballungsräumen der Städte wird die Fragestellung die Menschen in den nächsten Jahrzehnten begleiten. Aber wo bleiben die politischen Lösungen?

Glaubt man in Berlin denn ernsthaft, dass in einer hochentwickelten Dienstleistungsnation wie Deutschland knappe Bezahlung plus angenommener Idealismus ausreichen können, um eine neue motivierte Generation von Pflegefachkräften und Helfern, von Krankenpflegern – und -schwestern, Altenpflegern und Altenpflegerinnen zu bekommen?

Man hat 2011 durch Ernst & Young einmal nachfragen lassen, wie es um den Pflegeberuf so bestellt ist. Gefragt wurden von Ernst & Young (Quelle:statista) private, freigemeinnützige und öffentlich-rechtliche Pflegeheimbetreiber, wie sie die Attraktivität des Pflegeberufs einschätzen würden.

Das Ergebnis war vernichtend. Nur 4% der Befragten bescheinigten den Arbeitsplätzen ihrer Mitarbeiter eher hohe Attraktivität, ca. 77% hingegen attestierten eine nur mittelmäßige oder gar niedrige Attraktivität.

Wenn der Beruf aus Sicht derer, die mit ihm täglich zu tun haben, so wenig an Anziehung ausübt, wie kann man dann glauben, dass die Pflegebedürftigen am Ende mit ihrer Behandlung zufireden sein werden.

Das wird so nicht funktionieren, wie die Grafik von statista zeigt.

Die fehlende Attraktivität des Pflegeberufs

Die fehlende Attraktivität des Pflegeberufs

Offene Stellen für Pflegekräfte in Deutschland

Egal, ob die Pflege zuhause durchgeführt werden kann oder unsere Senioren im Pflegeheim rund um die Uhr betreut werden müssen, es mangelt an deutschen Pflegekräften, sowohl an Pflegefachkräften als auch Helfern. Weiterhin muss davon ausgegangen werden, dass die Attraktivität des Pflegeberufs in Deutschland offensichtlich nicht ausreicht, um die Lücken in der Versorgung zu schließen, die es v.a. In der stationären und ambulanten Pflege älterer Menschen zu beklagen gilt. Die Liste der möglichen pflegebezogenen Berufe ist lang genug, die Besetzung mit interessierten und engagierten Kräften aus Deutschland hingegen lässt weiterhin zu wünschen übrig.

Benötigt werden dringend:

– Krankenschwester/Krankenpfleger

– Kinderkrankenschwester/Kinderkrankenpfleger

– Staatlich anerkannte Altenpflegerinnen/Altenpfleger

– Staatlich anerkannte Familienpflegerinnen/Familienpfleger

– Krankenpflegehelferinnen/Krankenpflegehelfer

– Staatlich anerkannte Altenpflegehelferinnen/Altenpflegehelfer

– Haus- und Familienpflegerinnen und –helfer

– Hauswirtschaftshelferinnen/Hauswirtschafter

– Fachhauswirtschafterinnen/Fachhauswirtschafter

– Dorfhelferinnen/Dorfhelfer

– Familienbetreuerinnen/Familienbetreuer

 

Gäbe es über die EU-Erweiterung nicht die Option, die wichtigen pflegerischen Dienstleistungen mit Hilfe polnischer, tschechischer oder kroatischer Pflegekräfte aus deutscher Vermittlung (dank EU Entsendemöglichkeit!) doch noch zur Zufriedenheit nicht weniger Pflegebedürftiger zu realisieren, so müsste man diese Möglichkeit wohl erst noch erfinden…

Sieht man sich die Zahl der offenen Stellen in Deutschland im Pflegesektor an, so ist auch da ein Gefälle zu beobachten. Das Bundesland Berlin mit seinem städtischen Ballungsraum schreit besonders laut hier: der Anteil an offenen Stellen liegt hier, prozentual gesehen, über 20x höher als bei Schlusslicht Saarland.

Auch der Stadtstaat Hamburg und das Bundesland Bayern mit seinen Großstädten München, Nürnberg und Augsburg weisen mit 201,01 bzw. 175,93 offenen Stellen pro Million Einwohner eindrucksvoll auf Möglichkeiten hin, die mangels nationaler Nachfrage aber nicht genutzt werden können.

QUELLE: AOK: http://www.aok-gesundheitspartner.de/imperia/md/gpp/thr/pflege/ambulant/thr_pflege_ambulant_pv_anforderungen.pdf

Pflegezusatzversicherung & Co.: Kosten im Fall einer Pflegebedürftigkeit

Die Kosten im Fall einer Pflegebedürftigkeit werden niemals durch die gesetzliche Pflegeversicherung abgedeckt. Die traurige Wahrheit ist, dass nur ein wichtiger, aber niemals der gesamte Pflegeprozess finanziell durch die Ansprüche, die der Pflegebedürftige an die Pflegeversicherung hat und geltend machen wird, ausgegeglichen werden kann.

Zusätzliche Absicherungsmaßnahmen wie eine Pflegezusatzversicherung sind für all diejenigen, die nicht über ein stattliches finanzielles Polster verfügen, somit ein Thema und das heißt: es ist ein Thema für Alle, die an dieser Finanzierung beteiligt sind.

Dazu zählen die Betroffenen selbst, ebenso die heute sich noch in den besten Jahren befindenden Menschen, wenn sie sich nicht in zwanzig Jahren fassungslos einem Pflegenotstand ergeben wollen. Es zählen aber auch diejenigen dazu, oft in doppelter Weise, die dem Arbeitsmarkt sind und durch Abgaben die ‘Ausgaben der Pflegekassen refinanzieren müssen.

Es zählen in herausragender Weise somit auch die Jungen dazu.

Besonders heftig sind die finanziellen Herausforderungen im Fall eines Heimaufenthalts zu bemessen. Selbst in der höchsten Pflegestufe sind hier immense Zusatzaufwände zu kalkulieren, andernfalls muss auf Lösungen der privaten Pflege – übrigens immer noch die Option Nr. 1 in Deutschland – zurückgegriffen werden.

Im Falle einer vollstationären Versorgung beträgt die Deckungslücke, die durch von der Pflegeversicherung nicht übernommenen Kosten entsteht, bei der höchsten Pflegestufe III nach Angaben von statista/MLP 1768 Euro – pro Monat!

In Pflegestufe II sind 1421 Euro Zuzahlung zu veranschlagen, in Pflegestufe I immerhin noch 1277 Euro zusätzlich zu berappen.

Das wird nur für wenige Individuen oder Familien mühelos zu stemmen sein. Es ist also kein Wunder, dass wegen des Bedarfs an kostengünstigeren Lösungen im privaten Umfeld Ausschau gehalten wird. Wie beliebt mittlerweile gut ausgebildete Pflegekräfte, etwa aus Polen (http://privatecare24.de) sind, ist durch eine Vielzahl von Veröffentlichungen dokumentiert worden.

Das wird sich auch in den nächsten Jahren nicht ändern, da der Pflegekräftemangel in Deutschland auf absehbare Zeit nicht behoben sein wird und in Kombination mit den geschilderten finanziellen Herausforderungen die geschilderte Option umso interessanter erscheinen lässt.

Die Kosten im Fall einer Pflegebedürftigkeit werden niemals durch die gesetzliche Pflegeversicherung abgedeckt. Die traurige Wahrheit ist, dass nur ein wichtiger, aber niemals der gesamte Pflegeprozess finanziell durch die Ansprüche, die der Pflegebedürftige an die Pflegeversicherung hat und geltend machen wird, ausgegeglichen werden kann.

Was ist das Beste für pflegebedürftige ältere Menschen?

Es ist soweit. Das Alter ist da, die Konsequenzen stellen sich ein. Ein Mensch muss betreut werden, er muss versorgt werden, er muss gepflegt werden. Es geht um schnelle Entscheidungen, es geht aber auch um Lösungen, die für alle Beteiligten Sinn ergeben und zumindest eine gewisse Zufriedenheit ermöglichen.

Was machen wir also am besten, wenn unsere Eltern oder Großeltern nicht mehr so können wie sie wollen? Wenn Sie einfachere Vorgänge geistig nicht mehr bewältigen können? Wenn das Einkaufen zu mühselig wird? Wenn Gebrechen zunehmen und die schweren Krankheiten wie Demenz hinzukommen?

Eine Fragestellung, der gerne jeder von uns ausweichen würde, die aber zu einer der großen gesellschaftlichen Herausforderungen geworden ist, denn es betrifft sehr viele: den älteren Menschen, seine Angehörigen, seine Familie und auch das Umfeld. Auch die anonymen nachwachsenden Generationen, die nämlich all das mitfinanzieren müssen.

Eine ähnliche Frage wurde 2010 von der Europäischen Kommission aufgeworfen. In Deutschland wurden 1.577 Personen vom 27.08.2010 bis 12.09.2010 von TNS Infratest befragt.

Folgende Frage wurde bei der Befragung in folgendem Wortlaut gestellt: “Stellen Sie sich vor, ein älterer Vater oder eine ältere Mutter lebt allein und kann wegen körperlicher oder seelischer gesundheitlicher Probleme den Alltag nicht mehr ohne regelmäßige Hilfe meistern. Was wäre Ihrer Meinung nach das Beste für Menschen in dieser Situation?”

Statistik: Was wäre Ihrer Meinung nach das Beste für ältere allein lebende Mütter oder Väter, die aufgrund von körperlichen oder gesundheitlichen Probleme ihren Alltag nicht mehr meistern können? | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Mehr als ein Viertel sieht die Betreuung durch einen Pflegedienst im privaten Umfeld als die beste Lösung an. Die Grafik zeigt das Ergebnis einer Umfrage in Deutschland und der EU zur besten Pflegeform für ältere Menschen. 28 Prozent der Befragten in Deutschland waren also der Meinung, ältere Menschen sollten am besten zuhause von einem Pflegedienst betreut werden.

Pflegeheime als selbständig wirtschaftende Pflegeeinrichtungen

Pflegeheime sind selbständig wirtschaftende Pflegeeinrichtungen und unterliegen als solche gesetzlichen Vorgaben. Dazu zählen das Pflegeversicherungsgesetz, das Heimgesetz

(HeimG), die Heimpersonalverordnung und das Altenpflegegesetz (AltPflG) des Bundes.

 

Wie bei ambulanten Pflegediensten ist auch in Pflegeheimen die Leitung in die Verantwortung einer ausgebildeten Pflegefachkraft zu übergeben. Die Aufgabe des Pflegeheims ist

definiert als stationäre Einrichtung, in der Pflegebedürftige verpflegt und gepflegt werden.

 

Die Pflegekassen kooperieren mit den Pflegeheimen und sind durch den sogenannten Sicherstellungsauftrag nach §12 SGB XI dazu verpflichtet, die bedarfsgerechte und gleichmäßige

pflegerische Versorgung sicherzustellen. Diese Gewährleistung innerhalb der Grenzen der Leistungsverpflichtung (kurzum: Pflegekassen zahlen nicht alles) wird über

Versorgungsverträge und Vergütungsvereinbarungen in die Praxis umgesetzt.

 

Laut IHK lag 2009 die Anzahl der Pflegebedürftigen in Deutschland bei gut 2,3 Mio. 31 % der Pflegebedürftigen wurden dabei vollstationär in Pflegeheimen betreut, 69 % wurden zu

Hause versorgt und 23,7 % dabei mit oder durch ambulante Pflegedienste betreut.

 

Im Vergleich zu 1999 ist die Anzahl der vollstationären Pflegeheime nach IHK-Angaben um 27,5 % gestiegen. Die Gesamtzahl aller stationärer Alteneinrichtungen lag 2009 bei über 11 000 ud verfügte über mehr als 840 000 Plätzen. 55 % davon befanden sich in freigemeinnütziger Trägerschaft, 40 % standen unter privater Leitung und 5 % befanden sich in öffentlicher Trägerschaft.

 

Quelle: http://www.ihk-dienstleister-

info.de/linkableblob/da_dlis/2351884/2352602/.3./data/Merkblatt_Anforderungen_an_Pflegeeinrichtungen-data.pdf

Focus Pflegeheim: die Befindlichkeit der Betroffenen

In Pflegeeinrichtungen wie einem Pflegeheim genauso wie bei der häuslichen Betreuung durch einen ansässigen ambulanten Pflegedienst sind die Betroffenen darauf angewiesen, dass ihre Versorgung, Pflege und Betreuung zuverlässig durch fachlich qualifiziertes Personal durchgeführt wird. Dafür sind rechtliche Bestimmungen unerlässlich. In Deutschland ist dies durch zahlreiche gesetzliche Vorschriften reguliert. Bei Pflegeheimen etwa werden Verstöße gegen das diesbezügliche Heimgesetz als Ordnungswidrigkeit mit Geldbußen geahndet.

Dies ist die eine, formelle Seite und es ist gut, dass die deutschen Qualitätsstandards juristisch hohe Qualität aufwiesen. Doch ob nun tatsächlich durch den Pfleger auf der Station oder die Pflegefachkraft des ambulanten Pflegedienstes das getan wird, was subjektiv bei dem Pflegebedürftigen ein Wohlbefinden auslöst, ist nach einer Reihe von Bereichterstattungen zumindest zweifelhaft geworden. Dabei stehen bekanntlich die Pflegeheime gerne bevorzugt im Kreuzfeuer der Medien.

Eine exakte Vorprüfung von Betreuungskosten und Dienstleistungsangebot eines Pflegeheims gehört für die Beteiligten, Pflegebedürftige wie Angehörigen, deshalb auch zum mehr oder weniger lästigen Pflichtprogramm.

Wie es mit der subjektiven Befindlichkeit der Betroffenen aktuell aussieht, stellt eine Statistik dar, die statista mit Bezug auf Daten des Forschungsinstituts Allensbach zusammengestellt hat.

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Demnach steht der Respekt durch das medizinische Personal und Pflegepersonal an der Spitze der Wünsche der Betroffenen, gleichauf mit deiner guten ärztlichen und medizinischen Versorgung. Auch der qualitative Gesichtspunkt, dass Zeit für die Pflegebedürftigen aufgewendet wird, spielt eine wichtige Rolle.