Pflege daheim

Es gibt verschiedene Gründe, die dafür sprechen, einen Pflegebedürftigen in seinem eigenen Zuhause zu versorgen. Neben Misstrauen gegenüber Heimen oder der Scheu vor damit verbundenen Kosten ist das Hauptargument in den meisten Fällen schlicht, dass es der verständliche Wunsch des Betroffenen ist, in der bekannten Umgebung seiner Wohnung zu verweilen.

Wird die Pflege daheim von einem Angehörigen übernommen, besteht seit der Pflegereform 2008 die Möglichkeit, in Pflegezeit zu gehen. Voraussetzung dafür ist, dass dem zu Pflegenden mindestens die erste Pflegestufe attestiert wurde und der Arbeitgeber des Angehörigen, der Pflegezeit in Anspruch nehmen möchte, über 15 oder mehr Mitarbeiter verfügt. Die Antragstellung muss mindestens zehn Tage im Voraus erfolgen und Angaben über den Zeitraum und Umfang der Pflegezeit enthalten. Alternativ kann auch eine teilweise Freistellung angefragt werden. In beiden Fällen hat der Arbeitgeber allerdings das Recht, den Antrag aus betrieblichen Gründen nicht zu bewilligen.

Für den Fall der Bewilligung des Antrags laufen Kranken- und Pflegeversicherung erhalten, wenn der Angehörige familienversichert ist. Andernfalls muss er sich freiwillig gesetzlich versichern; auf Antrag übernimmt die Pflegeversicherung des Pflegebedürftigen aber hierfür die Kosten bis zur Höhe des Mindestbeitrags. Gleiches gilt auch für privat Versicherte.

Ein anderes Thema, das Pflegebedürftige und ihre Angehörigen im Rahmen der Pflegeplanung beschäftigt, ist die steuerliche Absetzbarkeit der Pflegekosten. Diesbezüglich bestehen zwei Möglichkeiten: Leistungen für Pflege und Betreuung lassen sich entweder als „haushaltsnahe Dienstleistungen“ oder als „außergewöhnliche Belastung“ steuerlich geltend machen. Die Entscheidung, in welcher Form der Pflegebedürftige die Pflegekosten absetzt, sollte nach Rücksprache mit dem Steuerberater gefällt werden.

Inzwischen spielt bei der Absetzbarkeit auch die Pflegestufe keine Rolle mehr; sogar die unter Pflegestufe I eingeführte Stufe 0 reicht aus, um entsprechende Ausgaben geltend machen zu können. Dabei lassen sich Rechnungen von Pflegdiensten, sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse und 400-Euro-Jobs einreichen, von denen 20 % steuerlich geltend gemacht werden. Die Höchstgrenze pro Jahr beträgt 4.000 Euro.

Nimmt die Pflege so viel Zeit in Anspruch, dass die Familie Unterstützung dabei benötigt, sollte eine Pflegekraft ins Haus geholt werden. Immer mehr Vermittlungsagenturen arbeiten in diesem Bereich mit Pflegekräften aus Polen zusammen, die auch eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung leisten. Je nach Vereinbarung unterstützen sie den Pflegebedürftigen bei der Verrichtung der Grundpflege, betreuen und erledigen hauswirtschaftliche Aufgaben. Medizinische Behandlungspflege dürfen die Pfleger aus Osteuropa aufgrund der rechtlichen Lage in Deutschland selbst dann nicht ausführen, wenn sie die entsprechende Ausbildung genossen haben. Sollte die Pflege also auch medizinische Versorgung beinhalten, muss zusätzlich mit dem Pflegepersonal eines ambulanten Pflegedienstes zusammengearbeitet werden.

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