Pflegestufen

Die soziale Pflegeversicherung, die in Deutschland zum 1. Januar 1995 eingeführt wurde, dient der Unterstützung von Personen, die aufgrund von Alter oder Krankheit der Pflege bedürfen. Dabei unterscheidet sich das Ausmaß der Leistungen, die die Versicherung erbringt, je nach Umfang des Pflegebedarfs, zu dessen Feststellung die sogenannten Pflegestufen definiert wurden.

Bei einer andauernd „erheblich eingeschränkten Kompetenz zur Bewältigung von Alltagsaufgaben“ besteht seit 1. Juli 2008 die Möglichkeit, zwischen 100 und 200 Euro monatlich zu beanspruchen. In diesen Fällen besteht zwar ein Hilfebedarf bei hauswirtschaftlicher Versorgung und Grundpflege, die Kriterien für die erste Pflegestufe sind aber nicht erfüllt, sodass man hier von „Pflegestufe 0“ spricht. Seit Anfang 2013 sind außerdem auch auf dieser Stufe Zuschüsse für die barrierefreie Umgestaltung des Wohnumfelds, Pflegehilfsmittel, Sachleistungen und Verhinderungspflege möglich, die vormals – ebenso wie das Pflegegeld – den höheren Pflegestufen vorbehalten waren.

Wird einem Pflegefall die Pflegestufe I bescheinigt, liegt erhebliche Pflegebedürftigkeit vor. Das bedeutet, dass der zeitliche Aufwand zur Unterstützung bei der Verrichtung von hauswirtschaftlichen Aufgaben und der Grundpflege, die Mobilität, Ernährung und Körperpflege umfasst, im Tagesdurchschnitt mindestens 90 Minuten beträgt. Mehr als die Hälfte dieser Zeit muss wiederum auf die Grundpflege entfallen.

Bei schwerer Pflegebedürftigkeit erfolgt eine Einordnung in die zweite Stufe. Der Hilfebedarf bei Aufgaben der Grundpflege muss hier mindestens dreimal am Tag bestehen sowie mehrmals pro Woche für die hauswirtschaftliche Versorgung. Die Auflagen bezüglich des zeitlichen Aufwands sehen im Tagesdurchschnitt ein Minimum von drei Stunden vor, wobei zwei Stunden oder mehr für die Grundpflege benötigt werden müssen.
Schwerste Pflegebedürftigkeit liegt bei Fällen der Pflegestufe III vor. Hier muss rund um die Uhr Hilfe zur Verfügung stehen, um die Grundpflege zu bewältigen. Logischerweise besteht in diesen Fällen auch mehrmals die Woche Unterstützungsbedarf für hauswirtschaftliche Aufgaben. Insgesamt muss der Aufwand mindestens fünf Stunden täglich betragen; vier davon müssen für die Grundpflege in Anspruch genommen werden.

In Extremfällen kann das System der Pflegestufen durch eine Härtfallregelung ergänzt werden. Damit diese zur Anwendung kommt, muss ein Zeitaufwand von mindestens sechs Stunden pro Tag gegeben sein, wobei es mindestens drei Mal nachts der Hilfe bei Verrichtungen der Grundpflege bedarf. Medizinische Behandlungspflege bei vollstationär versorgten Betroffenen ist hier mit zu berücksichtigen. Ein weiteres Beispiel für einen Härtefall wäre ein Pflegebedürftiger, der auch nachts nur von mehreren Pflegekräften zusammen bei der Grundpflege unterstützt werden kann. Das heißt, dass mindestens bei einer Verrichtung am Tag und in der Nacht zusätzlich zu einer professionellen Pflegekraft eine weitere Pflegeperson, die auch ein Angehöriger sein kann, benötigt werden muss. Beide Definitionen eines Härtefalls gehen über die Kriterien der Pflegestufe III hinaus, sodass sie höhere Leistungen von Seiten der Pflegekassen rechtfertigen.

Ende des Jahres 2011 waren insgesamt rund 2,501 Millionen Deutsche pflegebedürftig. Der Großteil davon wurde nach wie vor zu Hause von Angehörigen versorgt, wobei hier die 762.366 Fälle der Pflegestufe I den größten Anteil ausmachten. 329.912 Pflegebedürftige gehörten zur Pflegestufe II und 89.779 zur dritten Stufe oder inklusive Härtefälle. Der zweitgrößten Anteil aller Pflegebedürftigen entfiel bezüglich der Versorgung auf diejenigen, die vollstationär in Pflegeheimen untergebracht sind, während der Rest zu Hause von Angehörigen mit Unterstützung von ambulanten Pflegediensten versorgt wird.

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